Was tun, wenn die Periode ausbleibt?

- Autorin: Melanie Dell’Oro

Dass die Periode ausbleibt, kann verschiedenste Gründe haben. Manche kannst du beeinflussen, andere nicht. Manche sind kurzfristig, andere benötigen medizinisches Eingreifen. Lass uns zusammen mal auf Ursachenforschung gehen.

Die Periode bleibt aus, aber du bist nicht schwanger?

Wir wollen es einmal vorab gesagt haben, also raus damit: Die naheliegendste Erklärung, warum deine Periode ausbleibt ist, dass du schwanger bist. Du kannst das ganz sicher ausschließen, deine Blutung bleibt aus, aber der Test ist negativ? Dann gibt es noch weitere Umstände, die so großen Einfluss auf dein Hormonsystem haben, dass sie zu einem Ausbleiben des Eisprungs und damit dem Ausbleiben der Menstruationsblutung führen (den Zusammenhang zwischen Eisprung und Periode kannst du hier nachlesen).

Ganz zu Beginn wäre da die Pubertät zu erwähnen. Während dieser Zeit der Entwicklung stellt sich dein Hormonsystem von Kind auf Erwachsene* um. Zu dieser Zeit passiert so viel im Körper, dass die einzelnen Zahnrädchen des Hormonsystems nicht immer optimal greifen. Dadurch kann es auch passieren, dass dein Zyklus durcheinander gerät und die Periode scheinbar ausbleibt. Beobachte das! Sollte dein Zyklus länger als ein Jahr kürzer als 21 Tage oder länger als 45 Tage sein, solltest du dies mit einer Gynäkologin/ einem Gynäkologen besprechen. Der Gang zum Arzt/zur Ärztin sei dir auch empfohlen, wenn du bis zu deinem 16. Lebensjahr noch gar keine Regelblutung hattest. Man spricht in diesem Fall von einer primären Amenorrhö.

Ein kurzfristiges Ausbleiben der Regelblutung kann durch genauso kurzfristige Auslöser verursacht werden, z.B. durch einen starken Infekt oder eine sehr intensive Stressphase. Halten diese Zustände jedoch an, kann dies in einer sekundären Amenorrhö - dem Ausbleiben der Menstruation länger als 3 Monate - resultieren. Neben anhaltendem negativen Stress, zu dem auch seelisches Leiden, psychische Problematiken und Leistungsdruck, z.B. auch bei unerfülltem Kinderwunsch,  gehören, gibt es weitere Ursachen, die dem Nervensystem signalisieren, dass ein Eisprung gerade keine gute Idee ist.

Ausbleibende-Periode-Sekundäre-Amenorrhoe-Post-Pill

Warum habe ich keinen Eisprung?

(TRIGGER Warnung: Essstörungen werden thematisiert)

Um zu verstehen, warum der Organismus sich manchmal dagegen entscheidet, eine Eizelle auf den Weg in den Eileiter zu schicken, muss man den Blick etwas weiten. Denn was ist überhaupt der Grund, warum wir einen Eisprung, einen Zyklus haben? Genau: Vermehrung. Auch wenn es uns mit unserem heutigen Lebensstil etwas fern erscheint, sehr viele unserer Körperfunktionen basieren noch immer auf einfachen biologischen Prinzipien. Wenn eine Eizelle reif für die Befruchtung ist, dann soll es möglichst dazu führen, dass überlebensfähiger Nachwuchs ausgetragen werden kann. Einige Zustände unseres Organismus erlauben uns jedoch nicht, eine 10-monatige Schwangerschaft durchzustehen.

Einer dieser Gründe ist ein starkes Untergewicht, wie es bei schwerer, auszehrender Krankheit, aber auch durch Essstörungen verursacht wird. Zum einen steht dem Körper bei einer sehr reduzierten Ernährung schlichtweg nicht genug Energie zur Verfügung, um eine Schwangerschaft zu überstehen. Zum anderen führt das starke Absinken des Körperfetts zu einem Hormonmangel. Davon betroffen sind Östrogen und Leptin, beides Hormone, deren Bildung direkt oder indirekt vom Fettgewebe beeinflusst wird. Mangelt es an Östrogen, kann kein Eisprung eingeleitet werden. Mangelt es an Leptin, reduziert der Hypothalamus die Produktion von GnRH, dadurch bleibt in der Hypophyse die Produktion von LH und FSH aus. Ohne diese Hormone kommt es an den Eierstöcken nicht zur Follikelreifung. Und ohne Eisprung keine Menstruation.

Ähnliche Mechanismen greifen bei Extremsportler*innen. Aber auch bei stark mehrgewichtigen Menstruierenden ist der Leptin-Signalweg gestört. Durch einen konstant zu hohen Leptinspiegel reagiert das Gehirn irgendwann nicht mehr auf das Hormon. Eine Leptinresistenz mit den gleichen Folgen wie die eines Leptinmangels resultiert.

Keine Periode nach Corona-Impfung?

Nach der ersten Impfwelle gegen Covid-19 kam es scheinbar vermehrt zu Berichten über Zyklusstörungen (z.B. Ausbleiben, Zwischenblutung, verstärkte Blutung) bei geimpften Menstruierenden. Dies wurde (aus)genutzt, um die Sicherheit der neuen Impfung in Frage zu stellen. Impfnebenwirkungen werden engmaschig dokumentiert und bewertet. Durch das Paul-Ehrlich-Institut wird regelmäßig eine Stellungnahme zu solchen Nebenwirkungen veröffentlicht. Aus dieser wird klar, dass die Anzahl der Meldungen im Verhältnis zur Gesamtzahl der geimpften Frauen nicht außergewöhnlich hoch ist. Es wurden keine bleibenden Schäden dokumentiert. Ein Zusammenhang mit dem Covid-Impfstoff ist nicht wahrscheinlich in Anbetracht der Häufigkeit von Zyklusstörungen, aber ein Zusammenhang zwischen Impfungen und einem Einfluss auf den Zyklus generell kann auch nicht ausgeschlossen werden. Normalerweise werden nicht so viele Menstruierende gleichzeitig geimpft und Zyklusverschiebungen sind durch eine Vielzahl von Ursachen möglich.

Keine Periode trotz Pille?

“Ihr sagt, ich bekomme keine Regelblutung, wenn ich keinen Eisprung habe. Aber ich nehme die Pille, welche den Eisprung unterdrückt, und ich bekomme trotzdem meine Blutung!” Absolut richtig! Nur, dass es sich hierbei nicht um die normale Regelblutung handelt, sondern um eine sogenannte Abbruchblutung. Diese wird durch den Hormonentzug in der Pillenpause verursacht und hat null physiologischen Nutzen. Sie ist eine eher kosmetische Blutung, um dir das Gefühl eines normalen Zykluses zu geben. Den du aber nicht hast ohne Eisprung. Das kannst du daran erkennen, dass bei manchen Menstruierenden diese Abbruchblutung ausbleibt, wenn die Pille sehr niedrig dosiert ist oder das Präparat gewechselt wird. Nichtsdestotrotz solltest du auch bei einer ausbleibenden Abbruchblutung immer überprüfen, ob du durch einen Einnahmefehler nicht doch etwa schwanger geworden bist.

Solltest du bei Kinderwunsch die Einnahme der Pille absetzen, kann es bis zu 14 Zyklen dauern, bis sich dein Sexualhormonsystem wieder eingespielt hat. In dieser Zeit kann es also durchaus auch zu ausbleibendem Eisprung und dadurch fehlender Monatsblutung kommen.

Meine Periode bleibt aus, wann muss ich zum Arzt?

Prinzipiell solltest du jedes Ausbleiben der Periode, das länger als 3 Monate anhält, mit deinem Arzt oder deiner Ärztin besprechen. Er*Sie kann den Ursachen auf den Grund gehen, dich bei bestehendem Kinderwunsch beraten und - wenn sie notwendig ist - eine Therapie einleiten. Auch schwerwiegendere Erkrankungen wie Hyperprolactinämie, Polyzystisches Ovar-Syndrom, Schilddrüsenunterfunktion oder andere noch seltenere Stoffwechselerkrankungen führen zum Ausbleiben der Monatsblutung und sollten unbedingt medizinisch abgeklärt werden.

Was kann ich tun, wenn meine Periode ausbleibt?

Zuallererst solltest du sicherstellen, dass du nicht schwanger bist. Das kannst du ausschließen? Dann solltest du auf Ursachensuche gehen! 

Warst du sehr gestresst in letzter Zeit? Dann kann es sicherlich nicht schaden, wenn du deine Nebenniere ein bisschen im Stressmanagement unterstützt. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit langkettigen Kohlenhydraten, wie du sie in Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten findest, entlastet deine Nebenniere. Folsäure, die z.B. in Bierhefe, Hülsenfrüchten, dunkelgrünem Blattgemüse, Kohl und  Küchenkräutern vorkommt, scheint einen positiven Effekt auf die Eizellreifung zu haben. Auch Soja und Lebensmittel reich an Phytoöstrogenen können den Eisprung begünstigen. Öle und pflanzliche Lebensmittel reich an Omega-3-Fettsäuren sollten regelmäßig auf deinem Speiseplan stehen. 

Tipps-Periode-wiederbekommen

Raffinierten Zucker, wie er in Süßigkeiten, Limonaden und vielen Fertigprodukten vorkommt, solltest du meiden. Auch Kaffee hilft dem Stressmanagement leider nicht. Meditation, Yoga, ausreichend Schlaf, Sport, Bewegung an der frischen Luft, ein gutes Zeitmanagement sowie der Mut, nicht allem gerecht werden zu müssen jedoch schon. Lass auch mal deinen Prolaktinwert überprüfen. Dieser kann durch chronischen Stress erhöht sein und so einen Eisprung verhindern. Und du kannst es dir sicherlich schon denken: auch Alkohol- und Tabakkonsum helfen nicht.

Eine gesunde ausgewogene Ernährung hilft dir auch beim Gewichtsmanagement. Versuche täglich deinen Kalorienbedarf zu decken. Wenn du das Gefühl hast, dass du dabei Hilfe benötigst, suche den Kontakt zu Ernährungsmediziner*innen oder Ernährungsberater*innen. 

Bei organischen Ursachen, die sich auf das Hormonsystem auswirken, gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten, die du mit einer Ärztin/einem Arzt besprechen solltest.

 

Quellen:
Paul-Ehrlich Institut, Sicherheitsbericht, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung zum Schutz vor COVID-19 seit Beginn der Impfkampagne am 27.12.2020 bis zum 31.07.2021 , August 2021
www.frauenaerzte-im-netz.de, abgerufen am 8.11.21 
Hamilton-Fairley, D, Taylor A.; Anovulation; BMJ. 2003 Sep 6;327(7414):546-9
https://www.familienplanung.de/verhuetung/verhuetungsmethoden/natuerliche-methoden-der-familienplanung-nfp/vor-und-nachteile-der-symptothermalen-methode/, abgerufen am 8.11.21
Rosenfield, R; Clinical review: Adolescent anovulation: maturational mechanisms and implications; J Clin Endocrinol Metab. 2013 Sep;98(9):3572-83
Gaskins, AJ, Chavarro, JE; Diet and Fertility: A review; Am J Obstet Gynecol. 2018 Apr; 218(4): 379–389. 

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachten Sie, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen