Unser Hormonsystem

- Autorin: Melanie Dell’Oro

 

Wir schreiben in unseren Artikeln oft von “Einflüssen auf das Hormonsystem”, “Chaos im Hormonsystem” oder überhaupt viel von Hormonen. Aber was steckt da eigentlich dahinter, was ist das überhaupt, dieses Hormonsystem? Im folgenden Artikel haben wir für dich mal die Basics zusammengefasst. Das Hormonsystem ist ein komplexes Thema, das ganze Buchkapitel füllt. Wir kratzen deshalb ein bisschen an der Oberfläche und schauen uns die einzelnen Hormone später noch mal etwas genauer an. Los geht’s!

Ein Exkurs in die Biochemie

Unser gesamter Körper ist ein fein geregeltes System, in dem Zahnrad in Zahnrad greift. Nichts passiert einfach so, alles hat Ursache und Wirkung. Aber woher weiß unserer Herz, dass wir gerade unserem Traummenschen begegnet sind und es jetzt schneller schlagen muss? Woher weiß unser Körper, dass wir gerade umarmt werden und uns jetzt ganz wohlig und entspannt werden darf? Woher wissen die Sexualorgane, dass wir uns heut in feinste Spitze geworfen haben? Die unromantische Antwort: Biochemie. Hormone wie Adrenalin, Oxytocin, Östrogen und viele andere sind Auslöser für sämtliche Reaktionen unseres Organismus. Das fängt in den ersten Sekunden eines Menschenlebens beim Zellwachstum an, reicht über die lebenslange Aufrechterhaltung sämtlicher Körperfunktionen bis hin zur Reproduktion.

Die Angestellten: Hormone

Unsere Hormone und was sie im Körper machen

 

Hormone sind wie kleine Boten, die unermüdlich im Körper umherschwirren und den Organen Nachrichten vom Nervensystem überbringen. Hierfür besitzt jedes Hormon einen ganz speziellen Schlüssel, der nur in das Schloss ganz bestimmter Zellen passt. So wirken beispielsweise LH und FSH im weiblichen Organismus auf die Zellen der Eierstöcke oder TSH auf die Schilddrüsenzellen. Auf diese Weise können Hormone ganz gezielt wirken. Konnten die Hormone am Rezeptor ihrer Zielzelle binden, können sie nun auf zwei Arten eine Reaktion bewirken. Entweder aktivieren sie Enzyme, die bereits in der Zelle vorliegen, was dann zu einer Antwort der Zelle selbst führt (z.B. Muskelkontraktion). Und/oder sie fördern die Neubildung von Enzymen in der Zelle, beispielsweise von Wachstumsfaktoren, die zum Zellwachstum führen.

Gut zu wissen: Enzyme sind Eiweißmoleküle, die chemische Reaktionen im Körper beschleunigen.

Die Abteilungsleitenden: Schilddrüse, Nebennieren und Co.

Hormone, die auf Zielzellen wirken, nennt man effektorische Hormone. Gebildet und ihrer Aufgabe übergeben werden sie von effektorischen Drüsen. Hierbei handelt es sich um endokrine Drüsen, also Drüsen, die ihre Stoffwechselprodukte an den Blutkreislauf abgeben. Über diesen können sich die Hormone im gesamten Organsystem verteilen. Zu den effektorischen Drüsen gehören:

 

Unser Hormonsystem – die effektorischen Drüsen
  • Schilddrüse und Nebenschilddrüse: Hier werden die Schilddrüsenhormone sowie Calcitonin und Parathormon gebildet. Die Schilddrüsenhormone wirken auf den gesamten Stoffwechsel, beeinflussen Wachstum und Leistung. Calcitonin und Parathormon sind die zentralen Hormone des Calciumstoffwechsels, also wichtig für Knochen und Zähne.
  • Nebenniere: In Nebennierenrinde und -mark werden verschiedenste Hormone gebildet, die ihre Effektorzellen in der Niere (z.B. Aldosteron) und in der glatten Muskulatur (z.B. Adrenalin, Noradrenalin) haben. Auch das schon oft von uns angesprochene Cortisol (“Stresshormon”), welches an vielen Orten des Stoffwechsels wirkt, wird in der Nebennierenrinde gebildet. Ausführliche Infos findet ihr in unserem Artikel zu Stress und Nebenniere.

Gut zu wissen: Die glatte Muskulatur ist diese, die wir nicht aktiv anspannen können, also z.B. der Herzmuskel, die Gefäßwände oder die Muskulatur im Verdauungstrakt.

  • Bauchspeicheldrüse: Die Bauchspeicheldrüse bildet die Hormone, die wichtig für unseren Zuckerstoffwechsel sind: Glukagon und Insulin.
  • Eierstöcke: In den Eierstöcken werden je nach Zyklusabschnitt die weiblichen Geschlechtshormone Progesteron und Östrogen gebildet. Auch kleine Mengen Testosteron werden hier gebildet.
  • Hoden: In den Hoden wird das männliche Sexualhormon Testosteron gebildet, dass die Bildung von Spermien reguliert.

Geschäftsleitung und Sekretariat der Leitung: Hypothalamus und Hypophyse

Unser Hormonsystem – Hypophyse und Hypothalamus

 

Auch im menschlichen Organismus gibt es immer noch eine Instanz, die das letzte Wort hat. In diesem Fall sind das die sogenannten übergeordneten Hormondrüsen, die sich im Gehirn befinden. Ohne ihre Ansage wird die Hormonkaskade gar nicht erst in Gang gesetzt. Der Hypothalamus spielt hier die Schlüsselrolle. Er setzt die Signale, die sämtliche hormonelle Prozesse starten. Die sogenannten Releasing Hormone (engl. release = Freisetzung) wirken aktivitätssteigernd auf die Hypophyse, wo dann die passenden Hormone für die Effektororgane ausgeschüttet werden. Also beispielsweise das Gonadotropin Releasing Hormon bewirkt am Hypophysenvorderlappen die Freisetzung der Gonadotropine LH und FSH, welche dann wiederum an den Eierstöcken die Bildung der Sexualhormone bewirken. Außerdem schüttet der Hypothalamus Hormone aus, die auf die Niere wirken, sowie das als Kuschelhormon bekannte Oxytocin.

Der Vollständigkeit halber wollen wir die Epiphyse nicht unerwähnt lassen. Ihr Hormon ist das Melatonin, bei dem sich alles um den Tag-Nacht-Rhythmus dreht.

Ein sensibles System

Wo Aktivität gesteigert wird, muss auch mal die Bremse gezogen werden. Das geht unserem Hormonsystem ganz genauso wie unserem gesamten Organismus (lies hier alles über Stress und seine Auswirkungen). Aus diesem Grund bewirkt jedes ausgeschüttete Hormon im Blutkreislauf, jedes gebildete Enzym in den Zielzellen, einen Rückkopplungsmechanismus. Im Blutkreislauf zirkulierende effektorische Hormone signalisieren der Hypophyse und dem Hypothalamus, dass die Aktivierung der Drüsen funktioniert hat und nun runtergefahren werden kann. Der Hypothalamus schüttet dann die Release-Inhibiting Hormone aus (engl. inhibit = hemmen). Den gleichen Effekt hat eine bestimmte Konzentration der gebildeten Enzyme und Stoffwechselendprodukte auf die effektorischen Drüsen.

Aus dem Gleichgewicht

Verschiedene Umstände im Leben und krankhafte Veränderungen im Körper können dazu führen, dass das empfindliche System gestört wird. Dies hat verschiedenste Folgen. Wenn du unseren Blog aufmerksam verfolgst, wirst du wissen, dass wir im Kontext weiblicher Zyklus immer wieder auf die Anti-Baby-Pille und ihre Einflüsse auf das Hormonsystem stoßen. Auch Stress ist ein maßgebender Faktor für ein hormonelles Ungleichgewicht.

Selbstverständlich gibt es aber noch viele andere Erkrankungen und Faktoren, die schwerwiegende Einflüsse haben.

 

Quellen:
Speckmann/ Wittkowski. Bau und Funktion des menschlichen Körpers. 18.Auflage. München, Wien, Baltimore, Urban und Schwarzenberg, 1994

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