Der wahre Dreh- und Angelpunkt im Zyklus: der Eisprung

- Autorin: Melanie Dell’Oro

Hatten wir ein kleines UPSI (unprotected sexual intercourse, kannst du ganz genau hier nachlesen), rechnen wir panisch nach, wann er war oder sein wird. Habe wir einen Kinderwunsch, so planen wir ganz besonders romantische Abende während der fruchtbaren Tage um ihn herum. Und viel Stress kann ihn sogar gänzlich verhindern. Alles dreht sich um den Eisprung, dem meist unbemerkten und dennoch einflussreichsten Moment unseres weiblichen Zykluses.

Was ist der Eisprung?

Der weibliche Menstruationszyklus ist durch ein stetiges Ineinandergreifen und Wechselwirken von Hormonen bestimmt. (Die genauen Phasen kannst du gern hier nachlesen. Dort lernst du gleich auch noch etwas über Heavy Bleeding und ob starke Regelschmerzen normal sind). Hier nur in Kurzform: Nach einem totalen Abfall des Östrogenspiegels und dem Einsetzen der Menstruation, steigt nach der Blutung der Östrogenspiegel stetig weder an. Dies signalisiert der Hypophyse (deiner Hirnanhangsdrüse) das Hormon LH auszuschütten. Durch das LH wird aus einem Eierstock eine reife Eizelle in den Eileiter entlassen - “das Ei ist gesprungen”! Diese Eizelle ist nun etwa 24h lang bereit, um von einem Spermium befruchtet zu werden. Der Eisprung ist also notwendig, um schwanger werden zu können.

Wann findet der Eisprung statt?

Lange Zeit hat man angenommen, dass der Eisprung zur Mitte des Zykluses stattfindet. Mittlerweile weiß man jedoch, dass die Dauer bis zum Eisprung sehr variabel und durch viele Faktoren beeinflussbar ist. Bei einem sehr kurzen Zyklus kann der Eisprung schon um den 8.Tag nach Menstruationsbeginn erfolgen. Lässt der Eisprung aus verschiedensten Gründen auf sich warten, verlängert sich der Zyklus dementsprechend. Nach dem Eisprung dauert  es ungefähr 10-16 Tage bis zum Einsetzen der Menstruation. Der Eisprung beeinflusst also aktiv deine Zykluslänge, die von Monat zu Monat unterschiedlich und auch bei jeder Frau unterschiedlich lang sein kann. Kalendermethoden zur Bestimmung des Eisprungs oder der fruchtbaren Tage, die sich nach der Menstruation richten, sind also eher unsicher. Besser ist es, die Signale deines Körpers zu kennen.

Woran merke ich, dass ich einen Eisprung habe?

Wenn du deinen Körper gut und vor allem regelmäßig beobachtest, kannst du anhand von einigen Merkmalen erkennen, wann der Eisprung ansteht.

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  • Zervixschleim: Im Gebärmutterhals (Zervix) befinden sich Drüsen, die einen Schleim absondern. DIeser Schleim ist während des Zyklus die meiste Zeit über dickflüssig und milchig. Er soll verhindern, dass Krankheitserreger in den Gebärmutterhals aufsteigen. Eine Art Schutzwall für die Gebärmutter. Nach dem Eisprung jedoch sind unserem Organismus eine bestimmte Art von Invasoren sehr willkommen: die Spermien. Und um ihnen den langen Weg bis in die Eileiter möglichst bequem zu machen, verändert sich die Schleimkonsistenz. Zum Eisprung hin wird der zähe, trübe Schleim immer dünnflüssiger und klarer. Die Schleimmenge nimmt außerdem zu. Um den Eisprung ist das Sekret spinnbar: wenn du den Schleim zwischen deinen Fingern ziehst, bilden sich Fäden. Durch diesen Schleim können sich die Spermien besonders schnell bewegen und eine Befruchtung wird wahrscheinlicher. Sobald der Eisprung erfolgt ist, wird der Schleim wieder dickflüssiger und trüb. Mittlerweile gibt es sogar Apps, die für dich deinen Zervixschleim beurteilen können.
  • Basaltemperatur: Wenn du jeden Morgen deine basale Körpertemperatur misst, kannst du bestimmen, wann dein Eisprung war, da dieser die Körpertemperatur ansteigen lässt. Vor dem Eisprung beträgt die Körpertemperatur im Mittel 36,5°C. Nach erfolgtem Eisprung steigt die Temperatur nun um mindestens 0,2°C an. Damit diese Methode verlässlich ist, musst du darauf achten, dass du die Temperatur mindestens 3 Minuten an immer der gleichen Stelle (Mund, in der Vagina oder dem Anus), zu möglichst immer der gleichen Tageszeit und direkt nach dem Aufwachen misst. Ein Zykluscomputer kann dir hier helfen. Wenn du aber einen sehr unregelmäßigen Tagesrhythmus hast, weil du z.B. im Schichtdienst arbeitest, ist diese Methode u.U. nicht gut für dich geeignet.
  • Muttermund: Ergänzend zur Temperatur und der Beschaffenheit deines Zervixschleimes kannst du den Zustand deines Muttermundes untersuchen. Zu Beginn des Zyklus ist der Muttermund geschlossen. Der Gebärmutterhals, der zu dieser Zeit so tief liegt, dass man ihn gut mit den Fingern erreichen kann, fühlt sich fest an. Während der fruchtbaren Tage wird der Muttermund weich und öffnet sich leicht. Er ist schwieriger mit den Fingern zu erreichen, weil der Gebärmutterhals höher in die Vagina gewandert ist.
  • LH-Konzentration: Mit einem Ovulationstest kannst du die LH-Konzentration in deinem Urin messen. Diese steigt 24-36 h vor deinem Eisprung an.
  • Mittelschmerz: Manche Frauen spüren ein starkes Ziehen im Bauch. Hierbei kann es sich um den Eisprung handeln. Dieser Schmerz kann aber auch vor dem Eisprung auftauchen. Ein genauer Zeitpunkt des Eisprungs lässt sich also dadurch nicht festmachen. Fun Fact: Manche Frauen* können aber anhand der schmerzenden Stelle sagen, auf welcher Seite der Eierstöcke diesmal der Eisprung stattgefunden hat. Ob das im linken oder rechten passiert, ist nämlich rein zufällig.

Ich nehme die Pille, habe ich einen Eisprung?

Wenn du ein Kombinationspräparat der Pille einnimmst, verhindern die Hormone in dieser, dass du überhaupt einen Eisprung hast. Die Pille nimmt deinem Körper also den normalen Hormonzyklus. Wenn du die Pille längere Zeit eingenommen hast und diese wegen eines Kinderwunsches absetzt, kann es bis zu 14 Zyklen dauern, bis dein Hormonhaushalt wieder normal funktioniert. Ein sehr großer Eingriff in den physiologischen Kreislauf der Geschlechtshormone, der mit allerlei anderen unerwünschten Nebenwirkungen einhergehen kann.

Ich habe keinen Eisprung, was bedeutet das?

Solltest du mal einen Zyklus ohne Eisprung haben, ist dies kein Grund zur Besorgnis. Der Eisprung basiert auf einem Hormonanstieg und wie du vielleicht schon in vorherigen Artikeln gelernt hast, ist dieses Hormonsystem sehr sensibel und leicht durcheinanderzubringen durch Faktoren wie Stress, Krankheit, Einnahme von Medikamenten oder übermäßigen Alkoholkonsum. Solltest du über längere Zeit keinen Eisprung haben, kannst du dich vertrauensvoll an deine Frauenärztin/deinen Frauenarzt wenden. Der sogenannten Anovulation und wie du dem Ei auf die Sprünge helfen kannst, wollen wir uns in einem weiteren Artikel widmen.

Wann sind meine fruchtbaren Tage?

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Ganz wichtig: die Zeit, in der du schwanger werden kannst, beginnt nicht erst mit dem Eisprung. Die Spermien haben eine Lebensdauer von 5 Tagen. Hattest du also wenige Tage vor deinem Eisprung ungeschützen Geschlechtsverkehr, kann es sein, dass Spermien in der Gebärmutter ausharren und auf die reife Eizelle warten. Die reife Eizelle ist etwa 24h bereit für eine Befruchtung. Es handelt sich also um 6 fruchtbare Tage, an denen du schwanger werden kannst.

Jeden Tag ein Ei und Sonntags auch mal zwei?

Normalerweise reift pro Zyklus nur eine einzige Eizelle soweit heran, dass sie aus dem Follikel an den Eileiter abgegeben werden kann. Doch zahlreiche zweieiige Zwillinge sind der lebende Beweis für die Ausnahme von der Regel. Hier kommt es innerhalb weniger Stunden zu mehreren Eisprüngen. Ein weiterer Eisprung nach dem Tag des ersten ist jedoch sehr unwahrscheinlich, da die Konzentration des Hormons Progesteron nach dem Eisprung rasch ansteigt und weitere Eisprünge verhindert.] 


Es ist also durchaus zu empfehlen, sich mal ganz genau mit dem eigenen Zyklus auseinanderzusetzen. Denn die Kenntnis darüber, wann der Eisprung und die fruchtbaren Tage bei dir liegen, unterstützt dich zum einen bei Kinderwunsch die “heißen” Tage zu bestimmen, an denen sich alles nur um das eine drehen darf. Zum anderen kannst du durch das genaue Beobachten deiner Körpersignale aber auch eine sichere, hormonfreie und natürliche Verhütungsmethode nutzen. Und zu guter letzt schenkt dir das Kennenlernen deines Körpers und deiner Weiblichkeit Selbstvertrauen und Sicherheit. Und was für wundervolle Effekte dies wieder auf deine Sexualität haben kann, haben wir in der letzten Woche etwas genauer beleuchtet.

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