Progesteronmangel

Was ist Progesteron und wo wird es gebildet?

Die Sexualhormone werden in drei Hauptgruppen gegliedert: Östrogene, Gestagene (auch Progestine genannt) und Androgene. 

Hormone werden von Drüsen gebildet und bewegen sich dann über den Blutkreislauf durch unseren Körper bis sie an Organe mit speziellen Rezeptoren treffen, an welche sie andocken können. 

In diesem Beitrag geht’s aber erstmal um das Gestagen Progesteron, welches an Gebärmutter, Gebärmutterhals, Vagina, Brüste, Hoden aber auch ans Gehirn, Blutgefäße und Knochen andockt.

Progesteron wird auch Gelbkörperhormon genannt, weil es vom Gelbkörper (Corpus luteum) in der zweiten Zyklushälfte gebildet wird. 

Der Gelbkörper ist eine Art Zellbündel, der sich nach dem Eisprung aus dem Follikel ausbildet. Bei ausbleibender Befruchtung der Eizelle bildet sich der Gelbkörper einfach wieder zurück und die Progesteronbildung wird bis zum nächsten Eisprung heruntergefahren. Dazu aber im Abschnitt ‘Progesteron im Zyklus’ ein bisschen mehr. 

Eine geringe Menge Progesteron kann auch von der Nebennierenrinde produziert werden und während der Schwangerschaft bildet die Plazenta deutlich höhere Mengen des Hormons.

 

Aufgaben und Funktion 

Um den Menstruationszyklus zu verstehen, ist es essentiell zu wissen, wie Progesteron im Körper wirkt, woran es beteiligt ist und was dieses Hormon eigentlich die ganze Zeit über so macht. Aber auch für eine gesunde Schwangerschaft oder für die Wahl des passenden Verhütungsmittels ist es mehr als vorteilhaft über Progesteron informiert zu sein.

Was bewirkt Progesteron?

  • Vorbereitung der Gebärmutter auf die Schwangerschaft
  • Stoppt den durch Östrogen verursachten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut
  • Bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf die Einnistung einer potentiell befruchteten Eizelle vor
  • Verschiedene Aufgaben rund um die Schwangerschaft, z.B. Aufrechterhaltung der Schwangerschaft & Entwicklung der Brustdrüsen während der Schwangerschaft zur Vorbereitung aufs Stillen 
  • Sorgt nach dem Eisprung für eine geringe aber messbare Erhöhung der Körpertemperatur (die Basaltemperatur morgens nach dem Aufstehen ist durch Progesteron um etwa 0,4-0,6 °C erhöht)
  • Reduziert die Zervixschleimproduktion 
  • Verringert die Darmaktivität (-> möglicherweise Verstopfung als Folge)

Progesteron im Zyklus

In der ersten Hälfte des Menstruationszyklus ist der Progesteronspiegel eher gering. Erst nach dem Eisprung, also in der Lutealphase steigt er an. 

Wie kommt es dazu?

Nach der Menstruationsblutung beginnt durch die Ausschüttung des Follikelstimulierenden Hormons (FSH) in den Eierstöcken das Wachstum der Follikel. Eines der Follikel wächst besonders gut, setzt sich damit durch und enthält mindestens eine heranreifende Eizelle. Anschließend kommt der Eileiter ins Spiel und transportiert die Eizelle nun. Ab diesem Zeitpunkt ist die Eizelle bereit für die Befruchtung. 

Der Follikel bleibt zurück und entwickelt sich zum Gelbkörper. Dieser produziert dann, wie vorab erwähnt, Progesteron. In Zusammenarbeit mit Östrogen wird die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet. Schließlich könnte die Eizelle befruchtet worden sein und dann soll es in der Gebärmutter natürlich so gemütlich wie möglich sein. 

Ist es nun aber so, dass sich keine befruchtete Eizelle einnistet, was meistens der Fall ist, bildet sich der Gelbkörper zurück, die Progesteronproduktion wird heruntergefahren, die Gebärmutterschleimhaut abgestoßen und die Menstruationsblutung setzt ein. Diese Prozedur nach dem Eisprung dauert ca. 12-14 Tage, was aber in Abhängigkeit vom Progesteronspiegel abweichen kann. (8)

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Progesteronmangel & Symptome

Eigentlich sorgt Progesteron im richtigen Verhältnis dafür, dass wir uns entspannt, ruhig und lebensbejahend fühlen. Progesteron ist nämlich auch als ‘das Beruhigungshormon’ bekannt.

Ist nun aber zu wenig Progesteron vorhanden spricht man von einem Progesteronmangel oder einer Gelbkörperschwäche. Im Prinzip geht es um die hormonelle Dysbalance, die durch eine unzureichende oder zu kurze Produktion von Progesteron durch den Gelbkörper hervorgerufen wird. Wenn der Eisprung nicht regelmäßig auftritt (oder auch gar nicht) oder der Körper nicht genug Progesteron bilden kann, könnte sich dies anhand einiger Symptome sichtbar machen. 

Östrogen und Progesteron stehen in einer engen Beziehung zueinander. Sie verstärken bzw. ergänzen sich gegenseitig. Demnach kann auch eine Östrogendominanz, also zu viel Östrogen im Verhältnis zu Progesteron, der Grund für einen Progesteronmangel sein und ebenfalls zu den folgenden Symptomen führen. 


Zu einigen Symptomen eines Progesteronmangels/einer Östrogendominanz zählen:

  • Schmierblutungen vor der Periode (prämenstruelle Spottings), weil die aufgebaute Gebärmutterschleimhaut vorzeitig abblutet
  • Zyklusstörungen, bzw. verkürzte 2. Zyklusphase
  • Prämenstruelles Syndrom (PMS): Brustspannen, Reizbarkeit
  • Depressive Verstimmungen
  • Stimmungsschwankungen
  • Gewichtszunahme
  • Wassereinlagerungen
  • Kopfschmerzen
  • Unfruchtbarkeit
  • Schlafstörungen
  • Haut- und Haarprobleme
  • Libidoverlust

Ab einem Alter von 40 Jahren ist es übrigens üblich, dass der Progesteronwert abnimmt, weil die Eisprünge weniger und die Zyklen länger werden. Nach der Menopause, also wenn kein Eisprung mehr stattfindet, ist somit auch die Progesteronproduktion des Gelbkörpers eingestellt.

Ursachen für einen Progesteronmangel

Die Ursachen sind recht vielfältig und da das Hormonsystem als zusammenhängendes Ganzes anzusehen ist, spielen eben auch die Störungen der anderen Hormone bei einem Progesteronmangel eine Rolle. 

Einige der Ursachen können sein:

  • Hormonelle Veränderungen während Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahren
  • Einnahme hormoneller Verhütungsmittel
  • Starkes Übergewicht
  • Chronischer Stress 
  • Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum
  • Mangelhafte Ernährung, v.a. Mangel an Vitamin B6, Vitamin B12, Vitamin C, Vitamin E, Selen, Magnesium -> diese sorgen für u.a. für den Östrogenabbau
  • hormonbelastete Nahrung oder Kosmetika, Umweltgifte

Was kann man gegen einen Progesteronmangel tun?

Häufig werden Hormontherapien eingesetzt, um den Mangel zu beheben. Das kann in Form von Kapseln oder Cremes der Fall sein. Viel wichtiger ist es aber das Hormonsystem als ein großes Ganzes anzusehen, weshalb es wenig Sinn macht, ein Hormon isoliert zu betrachten. Letztlich müssen alle Hormone in Balance sein und im richtigen Verhältnis zueinander stehen. 

Mit der Hilfe natürlicher Heilpflanzen und mit der richtigen Ernährung kann der Hormonhaushalt stabilisiert werden. In Bezug auf einen zu geringen Progesteronspiegel ist Mönchspfeffer wohl der bekannteste Vertreter unter den Heilpflanzen. Auch Pflanzenextrakte der Yamswurzel, im Speziellen eine darin enthaltene Verbindung, die dem körpereigenen Progesteron ähnelt, bieten sich als Unterstützung an. 

Vitamin B6 ist ebenfalls besonders hilfreich, da es zur Regulierung der Hormontätigkeit beiträgt. Lebensmittel reich an Vitamin B6 sind z.B. Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, grünes Gemüse und Nüsse. Generell sollte besonders auf eine ausreichende Zufuhr von B-Vitaminen und auch von Magnesium geachtet werden. 

Als weitere wichtige Maßnahme sollte Stress reduziert werden. Das sagt sich immer so leicht und Stress scheint irgendwie an allem Schuld zu sein. Aber hier einmal der Hintergrund zum Progesteronmangel: Progesteron wird aus Cholesterin gebildet und ist eine wichtige Vorstufe für die Bildung anderer Hormone wie bestimmte Östrogene, Testosteron und auch Cortisol. Bei Stress wird im Körper Cortisol freigesetzt. Bei andauerndem Stress ist der Körper also stets bestrebt, mehr Cortisol freizusetzen - zu Ungunsten von Progesteron. Da die Stressreaktion im Körper Vorrang hat, greift der Körper auf Progesteron zurück, was dann wiederum zu einem Progesteronmangel führen kann. 

Für die Stressbewältigung eignen sich zum Beispiel Meditationen, Yoga, Atemübungen, regelmäßige Bewegung, bewussten Auszeiten und Ruhemomente in Kombination mit ausreichend Schlaf. 

Da Östrogen und Progesteron so eng miteinander verknüpft sind, ist es definitiv ratsam, den eigenen Östrogenspiegel ebenfalls im Blick zu haben. 



Quellen

(1) Taraborrelli S. Physiology, production and action of progesterone. Acta Obstet Gynecol Scand. 2015 Sep 11;94:8-16.
(2) Kuhl H. Pharmacology of progestogens.J Reproduktionsmed Endokrinol. 2011;8(1):157-76.
(3) Jones RE, Lopez KH. Human reproductive biology. 3rd ed. Burlington, MA: Elsevier; 2006.
(4) https://flexikon.doccheck.com/de/Corpus_luteum
(5) Jones RE, Lopez KH. Human reproductive biology. 3rd ed. Burlington, MA: Elsevier; 2006.
(6) Wald A, Van Thiel DH, Hoechstetter L, Gavaler JS, Egler KM, Verm R, et al. Effect of pregnancy on gastrointestinal transit. Dig Dis Sci. 1982;27(11):1015-8.
(7) World Health Organization. WHO laboratory manual for the examination and processing of human semen. 5th ed. Geneva: WHO Press; 2010.
(8) https://www.progesteron.de/erklaert/eigenschaften-progesteron/
(9) https://www.hormonspezialisten.de/sexualhormone/progesteron/funktionen/


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