NFP zur Bestimmung der Fruchtbarkeit und zur Verhütung

Wir thematisieren häufiger das Thema Pille absetzen und was im Anschluss alles für den Körper getan werden kann, um den eigenen Hormonhaushalt wieder in Gleichgewicht zu bringen.

Hormonbalance ist demnach ein wirklich wichtiges Thema, aber wie steht’s eigentlich um die Verhütung? Nur weil die Pille oder andere hormonelle Verhütungsmittel dem Körper nicht mehr zugeführt werden, heißt das nicht automatisch, dass ein Kinderwunsch besteht.

Es gilt also die Wahl einer geeigneten hormonfreien Verhütungsmethode zu treffen.

Inhalt

  • Hormonfreie Verhütung im Überblick
  • NFP
    • Was wird für NFP gebraucht?
    • Körperzeichen beobachten, dokumentieren und deuten: Zervixschleim & Temperatur 
    • NFP zum Verhüten – NFP 101

Was für Optionen gibt es? Hormonfreie Verhütung im Überblick

Neben kupferhaltigen Verhütungsmethoden (Kupferkette, -spirale, -ball), gibt es die „mechanischen“ und die symptothermalen Verhütungsmethoden. 

Zu den „mechanischen" Methoden zählen zum Beispiel das Diaphragma und die Portiokappe, die häufig zusammen mit einem chemisch wirksamen Verhütungsgel oder -creme verwendet werden. Außerdem gibt es das Kondom und das Frauenkondom, die als einzige Verhütungsmittel vor Geschlechtskrankheiten schützen können. 

Schließlich gibt es noch die symptothermale Methode. „Sympto“ steht dabei für die Veränderungen des Zervixschleims und des Körpers und „thermal“ steht für die Veränderung der Körpertemperatur. 

Natürlich kann auch einfach das Prinzip der Enthaltsamkeit verfolgt werden, wobei diese Methode wohl am wenigsten Anklang findet – fair enough  

NFP 

In diesem Blogpost soll es um die symptothermale Verhütungsmethode gehen, genauer noch um NFP - die natürliche Familienplanung. 

Familienplanung und Verhütung klingen nach einem Widerspruch? In der Tat ist der Name auf den ersten Blick nicht ganz zielführend. Wenn man aber versteht, was sich dahinter verbirgt, erklärt sich weshalb NFP auch als Verhütungsmethode geeignet ist. 

Die Samenzellen des Mannes können bis zu 5 Tage unter optimalen Bedingungen im Körper der Frau überleben. Die herangereifte Eizelle ist nach ihrer Freigabe maximal 24 Stunden befruchtungsfähig, bis sie nach nicht erfolgter Befruchtung dann wieder „zugrundegeht“. Da die Samenzellen die Fähigkeit haben bis zu fünf Tage auf die Eizelle zu warten, ergibt sich eine Fruchtbarkeit von 5-6 Tagen pro Monat. 

Durch die NFP Methode kann dieser Zeitraum, auch als Fruchtbarkeitsfenster bezeichnet, ziemlich gut eingeschätzt werden. Daraus ergibt sich zum einen, dass bei bestehendem Kinderwunsch die vorhergesagte Fruchtbarkeit bestens genutzt werden kann, um eine Schwangerschaft zu planen. Zum anderen heißt das aber auch, dass eine Befruchtung verhindert werden kann, wenn darauf geachtet wird im Zeitraum der Furchtbarkeit keine männlichen Samenzellen in die Gebärmutter eindringen zu lassen. Klingt irgendwie logisch oder?

 

Nun aber erstmal ein paar Infos zu NFP und der Anwendung.

Was wird gebraucht? NFP Anwendung, Material, Ausstattung

  • Thermometer mit zwei Nachkommastellen oder einen Zykluscomputer
  • Bereitschaft sich mit dem eigenen Körper auseinandersetzen zu wollen und sich über die Methode zu informieren 
  • Zyklusblatt oder Zyklusapp zum Aufzeichnen der beobachteten Körperzeichen 

Körperzeichen beobachten, dokumentieren und deuten 

Im Fokus stehen hierbei die Veränderungen der Körpertemperatur und des Zervixschleims. Aber auch andere Körperzeichen wie die Veränderung des Gebärmutterhalses, der Brüste und des Mittelschmerzes helfen dabei den Körper und die zyklischen Veränderungen wahrzunehmen. 

Bei der Dokumentation ist jeder Person ganz freigestellt, auf welche Art und Weise die Beobachtungen notiert werden. Manche präferieren digitale Methoden und andere wiederum das gute alte Blatt Papier und den Stift. 

Egal welche Methode gewählt wird: der 1. Tag des Zyklus ist der erste Tag der Menstruation, also der Beginn der Regelblutung. In dieser Zeit kann die Stärke und die Schmerzen der Menstruation dokumentiert werden. Übrigens starke Schmerzen sind nicht normal. Lese hier mehr.

Hormonfrei Verhüten, NFP, auf den

Zervixschleim 

Hier macht es Sinn drei Dinge zu beachten: 

1. Was empfinde ich an meinem Scheideneingang? 

  • Fühlt es sich feucht oder trocken an?
  • Juckt es vielleicht sogar ein bisschen oder habe ich das Gefühl ständig auf die Toilette zu müssen,  obwohl ich keinen Harndrang verspüre?

 2. Wie fühlt sich der Zervixschleim an? 

  • Ist er klumpig, cremig, dehnbar wie rohes Eiweiß oder spinnbar?

3. Wie sieht der er aus? 

  • Ist er gelblich, weißlich, glasig oder rötlich? 
  • Ist er sichtbar, wenn ich mit dem Toilettenpapier oder dem Finger über den Scheideneingang wische? 

Auswertung: 

Trocken: nicht fruchtbar -> kein Schleim, trocken ist hierbei relativ. Es kann auch sein, dass einfach nichts gesehen und wahrgenommen wird. Meist nach Periode u./o. Eisprung

Klebrig: möglicherweise fruchtbar -> weiß, feucht, klumpig bis klebrig, Beginn des fruchtbaren Fensters

Cremig: fruchtbar -> feucht und cremig, kurz vor dem Eisprung 

Eiweiß: hoch fruchtbar -> feucht und dehnbar wie rohes Eiweiß, evtl. mit weißen Schlieren durchzogen, rund um den Eisprung 

Bei der Auswertung gilt, dass die Qualität des Zervixschleims zum Eisprung hin am höchsten ist. Wie die beste Qualität dabei aussieht, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Jede Frau hat ihr individuelles „Schleimmuster“. Für gewöhnlich wiederholt dieses sich Zyklus für Zyklus. Abweichungen können vorkommen und sollten einfach notiert werden. 

Wenn nun die optimale Schleimqualität erreicht ist, kann davon ausgegangen werden, dass der Eisprung +/- 2 Tage stattgefunden hat bzw. stattfindet.  

Temperatur 

Als Ergänzung zur Zervixschleim-Analyse wird bei NFP die Basaltemperatur gemessen. 

Im Zyklus gibt es nämlich zwei Temperaturniveaus. In der 1. Zyklushälfte ist die Körpertemperatur niedriger als in der 2. Das Hormon Progesteron, welches in der 2. Zyklushälfte dominiert, sorgt für diesen Temperaturanstieg. 

Da Progesteron erst nach dem Eisprung die Arbeit aufnimmt, kann anhand der Temperaturerhöhung von 0,2-0,6 ° C festgestellt werden, wann der Eisprung stattfindet. 

Zur Temperaturmessung sind ebenfalls zwei Sachen besonders wichtig: ein Thermometer mit zwei Nachkommastellen und das Messen direkt nach dem Aufwachen. 

NFP Basalthermometer

Zur Erklärung: ein einfaches Fieberthermometer misst meist nur eine Nachkommastelle. Damit können kleinere Veränderungen also nicht gesehen werden. Beispiel: Das einfache Thermometer misst 36,2 °C, was auch wirklich 36,20 °C entspricht. Am nächsten Morgen wird wieder gemessen und die Temperatur liegt wieder bei 36,3 °C, was dieses Mal aber 36,39 °C entspricht. Das heißt, dass ein Anstieg der Temperatur von fast 0,2 °C stattgefunden hat und nicht wie vom einfachen Fieberthermometer angezeigt 0,1 °C. 

Zusätzlich ist es wichtig, die Temperatur nach dem Wachwerden und vor dem Aufstehen zu messen. Da dann die besten Vergleichswerte gezogen werden können. Körperliche Aktivität trägt nämlich zur Erhöhung der Körpertemperatur bei und morgens vor dem Aufstehen ist sie am niedrigsten.

Mittels der Dokumentation in einer App oder einem Zyklusblatt ergibt sich dann eine Temperaturkurve, anhand welcher der Eisprung i.d.R. eindeutig erkannt werden kann. 

Bei der Dokumentation ist es wichtig Störfaktoren mit zu notieren. Übermäßiger Alkoholkonsum, Abweichungen von der normalen Routine, unterschiedliche Messzeiten oder Erkrankungen können zum Beispiel Einfluss auf die Temperatur haben. Deswegen ist es ratsam nicht nur die Temperatur allein zu messen. Ein doppelter Boden ist immer besser. 

NFP zum Verhüten – NFP 101

Wie das ganze funktioniert und was benötigt wird, ist jetzt klar… aber wie geht’s nun weiter?

Gerade für NFP-Anfängerinnen ist es wohl am einfachsten zu bestimmten, wann die fruchtbare Phase beendet ist. Das wird sich anhand des Temperaturanstiegs deutlich. Vor dem Eisprung ist die Temperatur relativ gleichbleibend niedrig. Am Tag des Eisprungs erfolgt ein kleiner Temperaturabfall und am Tag nach dem Eisprung steigt die Temperatur an und zweite Zyklusphase beginnt. 

Für Frauen, die via Zyklusblatt und ohne Zykluscomputer oder App dokumentieren, gibt es an dieser Stelle einiges zu beachten. 

Die Temperaturen der nächsten drei Folgetage nach dem Temperaturabfall werden analysiert, da diese ebenfalls erhöht sein müssen. Dabei gilt die Regel, dass die Temperatur des 3. Temperaturwertes (Punkt c) nach dem Temperaturabfall beim vermutlichen Eisprung (Punkt 1) um 0,2 °C erhöht sein muss im Vergleich zum Tag vor dem Temperaturabfall (Punkt 2). Die Abbildung der Temperaturkurve verdeutlicht das. Ist diese Regel nicht erfüllt, muss weiter auf den Temperaturanstieg gewartet werden. 

Temperaturkurve NFP Basaltemperatur hormonfrei verhüten

Und wie steht’s um die Fruchtbarkeit am Anfang des Zyklus?

Für Anfängerinnen gilt hier die 5 Tage Regel. Heißt, die ersten 5 Tage können als unfruchtbar angenommen werden (fällt in den Zeitraum der Menstruation, weil hier der erste Tag des Zyklus beginnt). Wenn bereits mehrere Zyklen aufgezeichnet wurden, kann das Fruchtbarkeitsfenster genauer eingeschätzt werden. 

Moderne Zyklusapps analysieren die Daten selbst und geben eine Prognose zur Fruchtbarkeit. Dabei sollte trotzdem immer der Zervixschleim und weitere Körpersignale mit einbezogen werden. Remember: doppelter Boden! Wetterapps sagen auch nicht immer das richtige Wetter vorher und ein Blick aus dem eigenen Fenster gibt Sicherheit.

 

Logischerweise sollte im Fenster der Fruchtbarkeit dann entweder mit Kondom, Diaphragma oder der Portiokappe verhütet oder kein Geschlechtsverkehr gehabt werden. Was hier am besten geeignet ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. 

Wenn NFP als Verhütungsmethode in Betracht gezogen wird, sollte auch der Partner involviert werden. Immerhin betrifft es nicht nur die Frau. NFP wird deswegen auch als partnerschaftliche Methode bezeichnet. 

Das mag nun alles vielleicht unfassbar kompliziert klingen. Letztlich bietet die NFP aber die Möglichkeit, den eigenen Körper besser zu verstehen und kennenzulernen. Liegen eventuell Hormonstörungen vor, weil es zu keiner Temperaturerhöhung gekommen ist oder gibt der Körper andere Signale, dass etwas nicht stimmt. 

 

Quellen:
1. Dr. Baur, S., Dr. Frank-Herrmann, P., Dr. Raith-Paula, E., Dr. Sottong, U. (2021), Natürlich und Sicher, 21. Auflage, TRIAS 
2. Simmons RG, Jennings V. Fertility awareness-based methods of family planning. Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol. 2020 Jul;66:68-82. doi: 10.1016/j.bpobgyn.2019.12.003. Epub 2019 Dec 20. PMID: 32169418.
3. Wiesner C. Natural Family Planning. Dtsch Arztebl Int. 2020 Apr 3;117(14):251. doi: 10.3238/arztebl.2020.0251a. PMID: 32449897; PMCID: PMC7264290.

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