Frühlingsgefühle – wie Hormone und das Wetter unsere Laune beeinflussen können

- Autorin: Melanie Dell’Oro

Die Vögel zwitschern, Sonnenstrahlen kitzeln auf der Haut, der Geruch von Blüten, Eiscreme und Pizza im Außenbereich steigt uns in die Nase. Und schön sind alle, waren immer alle Menschen so schön und attraktiv? Schmetterlinge im Bauch… Die Frühlingsgefühle springen über, Knutschen und Kuscheln liegt in der Luft- aber ist das wirklich so? Sind im Frühling unserer Sexualhormone besonders aktiv?

Ganz so ist das nämlich nicht. Und das ist eine gute Nachricht, denn von den sogenannten “Frühlingsgefühlen” kann jede*r profitieren - egal ob auf der Suche nach einer neuen Flamme oder mit dem Bedürfnis nach Energie und Tatendrang.

Denn das gute Gefühl kommt nicht von den Sexualhormonen, sondern einem Cocktail verschiedener Hormone, die für Aktivität und gute Laune sorgen.

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Die Lichtmenge machts - das Wechselspiel von Melatonin und Dopamin

Ursächlich ist die gesteigerte Menge natürlichen Lichts, die mit dem Frühjahr einhergeht. 

Die Lichtrezeptoren im Auge registrieren die Lichtmenge und melden diese an das Gehirn. Das Gehirn reguliert nun die Produktion von Melatonin runter und steigert die Ausschüttung von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. 

Melatonin ist das sogenannte “Schlafhormon”, das den Tag-Nacht-Rhythmus reguliert und bei Dunkelheit dem Körper signalisiert, den Energieverbrauch und Blutdruck herunterzufahren. Es wird aus dem “Glückshormon” Serotonin gebildet, wenn der Lichteinfall auf das Auge gering ist. Sobald die Lichtmenge steigt, wird das Serotonin nicht mehr umgewandelt und kann seine stimmungsaufhellende, aktivierende Wirkung entfalten. 

Noradrenalin und Dopamin sind anregende Hormone des sympathischen Nervensystems, also dem Teil des Nervensystems, das für Aktivität und auch Stressreaktionen zuständig ist. Dopamin wirkt motivations- und antriebssteigernd und hat eine bedeutende Rolle im Belohnungszentrum des Gehirns.

Sonne, Vitamin D und die Endorphine - ein Gute Laune-Cocktail

Mehr Sonnenstunden im Frühjahr bewirken zusätzlich die Bildung von Vitamin D und von Endorphinen durch die Sonneneinstrahlung auf der Haut.

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Für Vitamin D wurde in Studien ein Zusammenhang zwischen einem niedrigen Blutspiegel und dem Auftreten von Depressionen und Ängsten gefunden. Vitamin D wird in der oberen Hautschicht durch die UV B-Strahlen der Sonne gebildet. In den Wintermonaten sind zum einen die Sonnenstunden viel geringer und außerdem ist man natürlich auch warm eingepackt. Viel Licht trifft hier also nicht auf die Haut. Das ändert sich mit den wärmeren Temperaturen. 

Auch die Endorphinbildung und -ausschüttung wird durch den Einfall von Sonnenlicht auf die Haut hochreguliert. Endorphine sind im Körper gebildete Opiate, die beispielsweise stimmungsaufhellend wirken und Schmerzen lindern. 

Und was ist mit den Sexualhormonen im Frühling?

Und die Sexualhormone haben gar keine Auswirkung? Jein. Bei Männern steigt im Frühling der Testosterongehalt und damit verbunden auch die Libido. Diesen Anstieg beobachtet man aber auch im Sommer noch einmal. Scheinbar wirkt Testosteron bei Männern auch antidepressiv und angstlösend. Die Frühlingsgefühle und die Lust auf Körperkontakt können also durchaus Resultat eines - naja - eben besseren Wohlbefindens sein. 

Frühling - Zeit für Leichtigkeit

Also alles nur Kopfsache? Der veränderte Hormonhaushalt, die wärmeren Temperaturen, die Aussicht auf laue Frühlingsabende im Park oder Freiluftkino, viel Zeit an der frischen Luft -  das alles macht die Frühlingsgefühle aus und den Frühling zu so einer gefühlt erleichternden und fröhlichen Zeit! Die Sexualhormone haben damit nur bedingt etwas zu tun und somit kann jede*r diese Zeit ganz für sich und die eigenen Pläne, Bedürfnisse oder Aktivitäten nutzen. In diesem Sinne: Hab wundervolle Sonnenstunden und tankt ganz viel Leichtigkeit!

Quellen:
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