Die Leber und Hormonüberschuss

- Autorin: Melanie Dell’Oro

 

Im rechten, vorderen Bauchraum, halb von den Rippen umrahmt, direkt unter dem Zwerchfell, da liegt sie, die ausdauernde Stoffwechselzentrale und größte Drüse unseres Körpers: die Leber. 1,5 - 2 kg schwer und von solcher Regenerationskraft, dass sie sogar eine prominente Rolle in der griechischen Mythologie bekam. Prometheus, der den Menschen das Feuer brachte, wird zur Strafe an einen Felsen gekettet, wo ihm Tag für Tag ein Adler die Leber hackt, die über Nacht immer wieder nachwächst. Doch tatsächlich haben auch die Kapazitäten der Leber ihre Grenzen. Wie wir unsere Leber schützen, wie wir ihr schaden und was ihre Aufgaben sind, das wollen wir in diesem Artikel etwas beleuchten.

Die Stoffwechselhochburg unseres Körpers

Es gibt kaum einen Stoffwechselvorgang, an dem die Leber nicht irgendwie direkt oder indirekt beteiligt wäre. Alle Substanzen, die im Darm aufgenommen werden, passieren früher oder später über das Pfortadersystem die Leber. Die Makronährstoffe Kohlenhydrate, Proteine und Fette werden in der Leber umgebaut, abgebaut oder umgewandelt, um Energie zu gewinnen und Speicher anzulegen. So wird z.B. Glukose direkt in der Leber als Glykogen gespeichert und in Hungerphasen wieder freigesetzt. Überzähliges Fett wird von der Leber in Transportproteine eingepackt und somit zur Speicherung in die Körpergewebe, z.B. Fettgewebe, vorbereitet. Im Protein- und Aminosäurestoffwechsel bildet die Leber verschiedenste Moleküle, die in das Blut abgegeben werden, darunter Transportproteine wie Albumin, Gerinnungsfaktoren und Cholesterin, das als Grundgerüst von Hormonen dient. Auch die Gallensäure, welche abgegeben an den Darm der Aufnahme fettlöslicher Substanzen dient, wird in der Leber aus Cholesterin produziert und in der Gallenblase gespeichert. Vitamine und viele Mineralstoffe werden in der Leber gelagert. Außerdem werden alte Blutkörperchen und ungenutzte und überschüssige Hormone aus den anderen Drüsen in der Leber in ihre Bestandteile zerlegt. 

Wissen über die Leber

Was macht die Leber?

Die Leber muss einiges aushalten

Doch nicht nur Nährstoffe werden der Leber mit dem Blut angeliefert. Auch Medikamente, die wir schlucken, Schadstoffe aus der Nahrung, giftige Substanzen, allen voran Alkohol, Drogen aber auch Pflanzengifte, oder schädliche Abbauprodukte des Stoffwechsels werden in der Leber abgebaut. Damit hat die Leber neben den oben genannten Aufgaben also eine Menge zu tun. An dieser Stelle ist nun auch der Punkt erreicht, an dem unsere Leber trotz ihrer immensen Regenerationskraft an ihre Grenzen stoßen kann. Denn alle der oben genannten Stoffe enthalten Substanzen, die für die Leberzellen äußerst schädlich sind, diese angreifen oder sogar zerstören. Ist die Leber über längeren Zeitraum großen Mengen dieser Stoffe ausgesetzt, wie z.B. bei übermäßigem Alkoholkonsum, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch, so resultieren schwerwiegende Funktionseinbußen mit unterschiedlichster Ausprägung. Dies führt ebenso wie eine andauernde zu hohe Kalorienzufuhr, Übergewicht und übermäßiger Konsum von Zucker und tierischen Fetten zur Einlagerung von Fett in die Leber. Es kommt zu einer Fettleber und der weiteren Verdrängung von funktionsfähigen Leberzellen - ein Teufelskreis hat begonnen.

Gerade auch der Abbau der synthetischen Hormone, die dem Körper in Form von hormonellen Verhütungsmitteln zugeführt werden, stellt eine große Belastung für die Leber dar. Mehr dazu in unserem Blogpost: die Wirkung der Pille 

Gift für die Leber: was schadet der Leber?

Wenn die Leber schwächelt - Hormonüberschuss

Wie wir bereits erwähnt haben, ist eine der Aufgaben der Leber, überschüssige und ungenutzte Hormone abzubauen und so aus dem Kreislauf zu entfernen. Kann die Leber diese Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen, so verbleiben die Hormone im Organismus. Hormonüberschuss ist die Folge. 

Dies betrifft vor allem Sexualhormone, aber auch Hormone für den Wasser-Salz-Haushalt.

In der Leber werden u.a. Östrogen und Testosteron abgebaut. Was ein Überschuss dieser Hormone vor allem im weiblichen Körper verursacht, haben wir bereits in den Artikeln zur Östrogendominanz, Endokrinen Disruptoren und Haarausfall und Pickel nach dem Absetzen der Pille ganz genau erläutert. Ein Zuviel an Östrogen hat zum Beispiel Gewichtszunahme, verstärkte prämenstruelle Beschwerden wie gespannte Brüste, Kopfschmerzen und Reizbarkeit zur Folge. Aber auch das Risiko für Tumore an den Geschlechtsorganen steigt mit erhöhten Östrogenwerten.

Symptome Östrogendominanz: PMS, Kopfschmerzen, Zysten, Brustschmerzen und Co

Befindet sich zu viel Testosteron im weiblichen Organismus, kommt es zu Begleiterscheinungen wie vermehrtem Haarwuchs an Stellen wie Kinn, Oberlippe, Ohren oder Brust, zu Haarausfall und Akne. Wird das Aldosteron, welches verantwortlich ist für die Ausscheidung von Salzen aus dem Körper, nicht ausreichend abgebaut, kann es zu Wassereinlagerungen in die Gewebe und Cellulite kommen. Ein weiterer Effekt von Fetteinlagerungen in der Leber ist die gestörte Insulinsensibilität der Leberzellen. Kann nicht ausreichend Zucker durch das Signalhormon Insulin in die Körperzellen eingelagert werden, steigt die Insulinausschüttung, Insulin signalisiert der Leber, mehr Fett einzulagern, mehr Fett wird in der Leber eingelagert… auch hier - ein Teufelskreis.

Solltest du den Verdacht auf Östrogen- oder Testosteronüberschuss haben, lass ruhig auch mal deine Leberenzyme beim Hausarzt/ der Hausärztin untersuchen.

Die Leberfunktion schützen und unterstützen

Wie kann man nun verhindern, dass es überhaupt zu solch unglücklichen Kreisläufen kommt? Hier spielen die Ernährung und der Lebensstil eine äußerst große Rolle:

Leber unterstützen und was schadet der Leber

 

Auch einige Pflanzen können uns helfen, die verschiedensten Funktionen zu unterstützen und zu stärken.

Mariendistel als Heilpflanze der Wahl

Die am meisten verwendete Pflanze, die auch in der Medizin zur Anwendung kommt, ist die Mariendistel. Die Mariendistel hat ihren Namen aufgrund ihrer weißen Blattfärbung bekommen. Hier soll Muttermilch der den kleinen Jesus stillenden Maria auf ein Distelblatt getropft sein und für immer die charakteristische Weißfärbung verursacht haben. Ob das so passiert ist, kann man bezweifeln, sehr gut belegt sind aber die positiven Effekte, die Mariendistelextrakte auf die Leber haben (pssst übrigens auch in RESET enthalten – unserem Wundermittel beim Absetzen hormoneller Verhütungsmittel). Dieses wird eingesetzt bei der Therapie toxischer Leberschäden, zur unterstützenden Behandlung chronisch-entzündlicher Lebererkrankungen und Leberzirrhose und zum Schutz vor leberschädigenden Einflüssen. Das enthaltene Silymarin stärkt die Zellmembranen der Leberzelle, Gifte können schwieriger in die Zellen gelangen, die Regenerationsfähigkeit wird stimuliert.

Artischocke, Löwenzahn und Co.

Auch gut für ihre Leberwirkung bekannt ist die Artischocke. Es ist belegt, dass diese schon seit dem 16.Jhd zur Behandlung von Leberleiden eingesetzt wird. Artischockenblätter schützen die Leberzellen vor Schädigung durch freie Radikale und wirken sich positiv auf den Cholesterinhaushalt aus.

Der Löwenzahn unterstützt die gesunde Funktion von Leber und Galle, seine Bitterstoffe fördern die Sekretion von Verdauungssäften im Magen-Darm-Trakt und fördern so die Ausscheidung von Abbauprodukten.

Flohsamen, Knoblauch, Soja und Bockshornklee wirken cholesterinsenkend, Soja wirkt sich außerdem positiv auf den Fettstoffwechsel aus, Bockshornklee kann zusätzlich den Blutzucker senken.

Die Blätter der Pflanze Boldo werden eingesetzt bei leichten Leber- und Gallebeschwerden und schützen die Leberzellen vor Zerstörung.

 

Quellen
https://www.apotheken-umschau.de/mein-koerper/leber-und-galle/leber-aufbau-und-funktion-708679.html, abgerufen am 24.8.21 
https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Ernaehrungstherapie-bei-Fettleber,fettleber120.html, abgerufen am 24.8.21
Trefts, E, Gannon, M, Wassermann DH. The liver. Curr Biol. 201Nov6;27(21):R1147–R1151. 
http://dasgastroenterologieportal.de/, abgerufen am 28.8.21 
https://www.apotheken-umschau.de/diagnose/laborwerte/oestrogene-weibliche-geschlechtshormone-740869.html, abgerufen am 28.8.21
https://lebertransplantation.eu/die-leber/leberzirrhose/komplikationen-der-leberzirrhose/, abgerufen am 28.8.21
Arredondo Eve A. et al. Biomarker of broccoli consumption: Implications for glutathione metabolism and liver health. Nutrients.2020 Sep; 12(9): 2514.
Verber B. et al. Red cabbage (Brassica oleracea L.) extracts reverses lipid oxidative stress in rats. An Acad Bras Cienc. 2020 Apr 3;92(1):e20180596. doi: 10.1590/0001-3765202020180596. eCollection 2020.
Grüne Apotheke, J.Grünwald, C.Jänicke, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München, 2004

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