Bartwuchs und Haarausfall durch männliche Hormone

Testosteron, Androgene & Haare

Testosteron ist nicht nur ein Hormon, das für Männer von großer Bedeutung ist. Auch bei Frauen spielt Testosteron eine bedeutende Rolle im Körper. 

Testosteron gehört zur Gruppe der Androgene und ist aus dieser Gruppe der bekannteste Vertreter. Androgene sind im männlichen und weiblichen Körper Voraussetzung für die Entwicklung und Differenzierung unserer sekundären Geschlechtsmerkmale und -organe und für die Fortpflanzung unabdingbar.

Die Talgdrüsen und auch einige unserer Haarfollikel sind androgenabhängig. In diesem Blogpost dreht sich erstmal alles um Haare & Androgene.

Haartypen

Bei Haaren gibt es drei verschiedene Typen. Lanugo-, Vellus- und Terminalhaare. In Bezug auf Androgene sind die letzten beiden Typen von besonderer Bedeutung. 

Lanugohaare spielen bei der Geburt eine Rolle und sind kurz, weich und ungefärbt.

Vellushaare: feine, wenig pigmentierte Haare, die am ganzen Körper zu finden sind und eher weniger auffallen. Diese werden auch Woll- oder Flaumhaar genannt. 

Terminalbehaarung: sichtbarere Haare, die pigmentierter, gröber und dicker sind. Wie ausgeprägt die Behaarung ist, hängt von genetischen und auch hormonellen Faktoren ab. Aber auch Krankheiten oder Medikamente können das Terminalhaar beeinflussen. 

Wie die Behaarung der einzelnen Person aussieht, ist genetisch und hormonell bedingt.

Klar ist jedoch, dass sich im Laufe unseres Lebens einige der Vellushaare zu Terminalhaaren entwickeln und vice versa. Besonders während der Pubertät entwickelt sich ein großer Teil der feineren Härchen zu den dickeren Terminalhaaren um. Bei Männern sind das ca. 90 % und bei Frauen bis zu 35 %. 

Im Hinblick auf die Kopfbehaarung kann das genau anders herum ablaufen. Die dickeren Haare können sich zu den feineren Vellushaaren entwickeln oder sogar gänzlich verschwinden. Dann spricht man vom anlagenbedingten Haarausfall oder androgenetischer Alopezie. 

Welche Haare sind nun androgenabhängig und welche nicht?

Hier gibt es drei Gruppen: nichtandrogenabhängig, von niedrigen Androgenkonzentrationen abhängig und androgenabhängig.

 

Nichtandrogenabhängige Haare: Augenbrauen, Wimpern, die Behaarung der Unterarme und Unterschenkel und die unteren Partien des Haupthaars. Bei all diesen Haaren handelt es sich übrigens um Terminalhaare, die den Eindruck der Behaarung erwecken.  

Haare, die nur von relativ niedrigen Androgenkonzentrationen abhängig sind: die Achselbehaarung, die untere Schambehaarung und ein Teil der Kopfbehaarung (Temporal- und Scheitellappen, also quasi die mittlere Partie des behaarten Kopfes).

Interessant ist hier, dass die Scham- und Achselbehaarung sich durch den Androgeneinfluss von den feineren Vellushaaren in die dickeren Terminalhaare umwandelt. Wohingegen dieser dickere Haartyp, der auch im Bereich der Stirn-Haar-Grenze auftritt, in der Pubertät unter Androgeneinfluss in den dünneren Vellushaartyp umgewandelt wird. 

Also Scham- und Achselhaar entwickeln sich von dünnem zu dickem Haar und auf dem Kopf genau andersherum. So möchte man das dich gern haben…. Oder nicht ?!

Zuletzt gibt es noch die androgenabhängigen Haare: diese hängen von höheren Androgenkonzentrationen ab. Das heißt, dass dieser Typ Haar physiologischerweise beim Mann auftritt und bei Frauen nur dann, wenn eine Störung im Androgenhaushalt vorliegt. Typisch dafür sind Bartwuchs, Haarwachstum an Ohren- und Nasenöffnungen, Haare am Rücken, zwischen und über den Brüsten und über dem Schambein bis hin zum Bauchnabel. Durch die höheren Androgenkonzentrationen werden aus den feinen dünneren Haaren übrigens dickere, dunklere Haare, also vom Vellushaar zum Terminalhaar. 

Auch hier kommt es interessanterweise wieder zu einem gegenteiligen Effekt, wenn man die Haare auf dem Kopf betrachtet. Im Temporal- und Scheitelbereich (die mittlere Partie des behaarten Kopfes) werden durch hohe Androgenkonzentrationen aus den dickeren Terminalhaaren dünnere Vellushaare.

 

Wie bereits beschrieben, sind Männer vom androgenabhängigen Haarwachstum stärker betroffen, da sie höhere Mengen der männlichen Hormone besitzen. Aber auch bei Frauen können infolge von zu hohen Androgenkonzentrationen Haare an unerwünschten Stellen sprießen. 

Oft ist eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haarfollikel auf Androgene oder der sinkende Östrogenspiegel während der Wechseljahre der Grund für den vermehrten Haarwachstum/-verlust. 

Ein weiterer Grund kann aber das Absetzen der Pille sein, welches erhöhte Testosteronkonzentrationen mit sich ziehen kann. Dieser Effekt heißt „Androgen-Rebound-Effekt“, auf welchen wir in diesem Blogpost genauer eingehen. 

Was tun bei zu hohen Androgenkonzentrationen?

Auch wenn es sich beim vermehrten Haarwuchs bzw. Haarausfall lediglich um eine Äußerlichkeit handelt, ist der Leidensdruck bei den Betroffenen häufig sehr groß. Dauerhafte Haarentfernungen können schmerzhaft und kostspielig sein. 

Bezogen auf die Testosteronkonzentrationen ist es aber möglich auf einige Dinge zu achten. 

 

Wenn Du Tipps & Tricks rund um das Thema Haarentfernung oder Haarwachstum hast oder Erfahrungen mit uns teilen möchtest, kommentiere diesen Beitrag gern. So können gegenseitig von unseren Erfahrungen profitieren. ✨

 

Quellen
Freimut A.Leidenberger (2014). Klinische Endokrinologie für Frauenärzte. Springer Verlag, 5. Auflage 
Spritzer PM, Barone CR, Oliveira FB. Hirsutism in Polycystic Ovary Syndrome: Pathophysiology and Management. Curr Pharm Des. 2016;22(36):5603-5613. doi: 10.2174/1381612822666160720151243. PMID: 27510481.
https://www.endokrinologie.net/krankheiten-hirsutismus.php#:~:text=Hirsutismus%20wird%20definiert%20als%20eine,mild%20bis%20sehr%20ausgepr%C3%A4gt%20reichen. Stand 07.07.2021
https://www.haarerkrankungen.de/grundlagen/haaraufbau.htm Stand 07.07.2021

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