13 Mythen zur Menstruation

- Autorin: Melanie Dell’Oro 

Egal wie aufgeklärt wir heutzutag mittlerweile sind - um die Menstruation ranken sich noch immer viele Mythen. Ein paar der kuriosesten und ärgerlichsten haben wir für dich mal unter die Lupe genommen.

1. Die Periode von Freundinnen oder Mitbewohnerinnen synchronisiert sich?

Nein! Die Theorie, dass sich die Zyklen von Frauen, die eng befreundet sind oder sich eine Wohnung oder ein Zimmer teilen, angleichen, wurde in den 70er Jahren von der Psychologin Martha McClintock aufgestellt und angeblich auch durch eine Studie bewiesen. In den letzten Jahrzehnten erschienen jedoch viele Stellungnahmen, die methodische Lücken aufdeckten und es gibt diverse weitere Studien der letzten Jahre, die die Theorie von Frau McClintock widerlegen. Die Zyklen passen sich nicht an. Aber: Da jeder Zyklus Schwankungen unterlegt ist und die Länge der Menstruation von Person zu Person unterschiedlich ist, kann es regelmäßig Überschneidungen geben, die es so aussehen lassen, als würden sich die Zyklen anpassen.  

2. Die Menstruation verläuft synchron zum Mondzyklus!

Klares Jein. Vermutlich war es so in der Menschheitsgeschichte, dass der weibliche Zyklus mit dem Mondzyklus verlief. Vereinzelt kann man dies auch noch beobachten bei einigen Menstruierenden, deren Zyklus länger als  27 Tage dauert. Das große Aber: es gibt Bedingungen. Zum einen die Zykluslänge, die natürlich zur Länge der Mondphasen passen muss. Heutzutage beeinflussen aber verschiedene Faktoren den Hormonhaushalt und dadurch die Menstruation. Außerdem hängt die Anpassung an den Mondzyklus scheinbar mit der Leuchtkraft der Mondin zusammen. Und dank Lichtverschmutzung und dicken Vorhängen nehmen wir diese kaum noch wahr. Wir sind also viel zu weit entfernt von natürlichen Zyklen, als dass hier noch ein Einfluss zu beobachten wäre.

Hinweis: ESTRO kann dich übrigens unterstützen, den Östrogenhaushalt und damit die Länge des Zyklus und Dauer, Stärke und Empfinden der Menstruation zu regulieren. Dann klappt es vielleicht bald mit dem Mondzyklus bei dir ;) 

3. Regelschmerzen sind völlig normal!

Starke periodenschmerzen sind nicht normal

Nein. Regelschmerzen sind nicht völlig normal. Die Periode ist keine Krankheit und geht im Idealfall auch nicht mit Schmerzen, Übelkeit oder anderen unangenehmen Begleiterscheinungen einher. Schmerzen während der Menstruation sind oft ein Zeichen für eine Grunderkrankung oder ein Hormonungleichgewicht. Sehr starke Schmerzen bis hin zu Schwindel können Begleiterscheinungen der Endometriose sein oder auf Myome hinweisen. Aber auch ein Überschuss an Hormonen wie Östrogenen oder Prostaglandinen löst Symptome wie Schmerzen, Krämpfe oder eine besonders lange oder starke Blutung aus. Ernährungsumstellungen, Nahrungsergänzungsmitteln, Stressmanagement oder Lebensstiländerungen können vielen Menstruierenden Linderung verschaffen. Um Grunderkrankungen aufzudecken, müssen die Beschwerden aber ernst genommen werden, vor allem von Mediziner*innen.

4. Die Farbe des Menstruationsblutes sagt nichts über meinen Gesundheitszustand aus!

Doch, das tut sie tatsächlich! Ein kräftiges Rot zeigt eine gesunde Menstruationsblutung an. Ein eher heller Rotton kann für einen niedrigen Östrogenspiegel sprechen, z.B. wenn du synthetische Hormone zur Verhütung nimmst. Im Gegensatz dazu spiegelt dunkelrotes Blut, eventuell mit Klümpchen versetzt,  einen hohen Östrogenwert. Braunes oder sehr dunkles Blut kommt eher zum Ende der Blutung zum Vorschein. Hier musst du dir keine Sorgen machen, dies zeigt nur, dass dieses Blut schon älter ist. Alle anderen Farben oder Konsistenzen hingegen sollten ärztlich abgeklärt werden.

was die Farbe des Periodenblutes zu bedeuten hat

5. Während der Menstruation sollte man lieber keinen Sport machen!

Doch, unbedingt! Denn regelmäßiger, moderater Sport ist sogar hilfreich gegen Periodenschmerzen. Sport fördert die seelische und körperliche Ausgeglichenheit, macht dich also widerstandsfähiger gegenüber Schmerzen und negativen Gedanken. Sport lockert die Muskulatur und kann so Krämpfe lösen. Durch die Muskelbewegungen werden die Lymphbahnen angeregt und so können Wassereinlagerungen verringert werden.

Uuund: Auch Kopfstand ist okay. Es gibt keine Studien, die medizinische Argumente dagegen liefern.

6. Menstruationsblut ist eklig und infektiös!

Nein, nein und nochmals nein. Menstruationsblut ist nicht eklig, sondern ganz normales Blut, das gemischt ist mit Scheidensekret  und abgestoßenem Gebärmuttergewebe. Die Blutung zeigt an, dass ein Zyklus durchlaufen ist, ohne dass eine Befruchtung stattfand. Es ist also auch keine “Reinigung” von Nährstoffen oder Blut, sondern ein normaler, sich etwa monatlich wiederholender, hormongesteuerter Prozess. Das Menstruationsblut ist bei gesunden Menstruierenden weder infektiös noch unrein. Erst im Kontakt mit den Periodenprodukten kommt es zum Wachstum von Bakterien und eventueller Geruchsbildung. Du brauchst dich für deine Menstruation nicht schämen noch dich davor ekeln. 

7. Menstruierende haben während der Blutung immer schlechte Laune!

schlechte laune hat nicht immer direkt etwas mit der Periode zu tun

“Du hast wohl deine Tage?” Wie oft hast du diesen Spruch schon gehört, wenn deine Laune nicht die beste war? Aber haben Menstruierende zwangsweise schlechte Laune? Nein. Zu depressiven oder gereizten Verstimmungen kommt es eher im Zuge des PMS oder in seiner noch stärkeren Form des PMDS - also VOR Einsetzen der Blutung. Mit Beginn der Menstruation ist die Verstimmung sogar meist verflogen. Klar, Periodenschmerzen können die Laune drücken, aber schlechte Laune ist keine Begleiterscheinung der Menstruation.

8. Die Blutung bei Pilleneinnahme ist gar keine echte Menstruationsblutung!

Stimmt! Es handelt sich um eine sogenannte Abbruchblutung, die durch die Pillenpause verursacht wird. Durch die Pille wird dem Körper vorgegaukelt, es würden genug Östrogene vorhanden sein. Die Eierstöcke stellen ihre Funktion ein, die Eizelle reift nicht und es kommt  so zur empfängnisverhütenden Wirkung der Pille. Wird dem Körper durch die Pillenpause nun das Östrogen entzogen, reagiert die Gebärmutter mit der einzigen Reaktion auf niedrige Östrogenkonzentrationen, die sie kennt - sie stößt die Schleimhaut ab. Die Pillenpause hat rein “kosmetische” Effekte, soll also einen natürlich Zyklus vorgaukeln. Denn im Prinzip könntest du auf die Pillenpause auch verzichten, die Abbruchblutung hat keinen physiologischen Nutzen.

9. Die Periode ist Zeichen für eine Krankheit!

“Nein, natürlich nicht”, rufst du jetzt gerade vermutlich stirnrunzelnd. Genau das wird aber vielen Mädchen auf der Welt auch heute noch erzählt - und ihnen so während der Blutung die Teilnahme am sozialen Leben und der Zugang zu Schule oder Arbeitsstätte verwehrt. “Wer krank ist, muss zuhause bleiben, keiner soll mitbekommen, dass du blutest” - dies ist auch heute noch die Lebensrealität von vielen Mädchen und Frauen. Fehlende Periodenartikel oder fehlende Privatsphäre geschweige denn Hygiene auf Sanitäranlagen tun ihr übriges zu Stigmata und Scham. 

10. Menstruierende sind unrein!

die menstruation sei ein zeichen für Unreinheit - absoluter Quatsch

Tatsächlich werden Menstruierende in vielen Religionen auch heute noch als unrein angesehen. Dies äußert sich darin, dass sie Gebetshäuser nicht betreten oder Männer sie nicht berühren dürfen. Sie könnten Götter entzürnen oder durch das Periodenblut dunkle Energien transportieren.  Im Anschluss an die Menstruation müssen sie sich komplizierten rituellen Waschungen unterziehen. 

11. Die Periode ist eine Strafe für den Sündenfall Evas!

Nein. Deine Periode ist ein Zeichen, dass während deines Fruchtbarkeitszyklus keine Befruchtung stattgefunden hat. Ein ganz normaler physiologischer und sehr wichtiger Vorgang im Körper von Menschen mit Gebärmutter. Punkt. 

Tatsächlich ist dies eine noch vorherrschende Ansicht im Christentum.

12. Periodenarmut ist ein reines Phänomen von Entwicklungsländern

Definitiv Nein! Selbst in Industrieländern wie Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden oder Australien gibt es Menstruierende, die aus finanziellen Gründen nicht auf Periodenartikel zurückgreifen können und sich stattdessen mit Toilettenpapier und Stoffresten aushelfen müssen. Allein in Deutschland sagen 23% der Menstruierenden, dass Periodenprodukte für sie eine finanzielle Belastung darstellen. 15% gehen sogar die Gefahr einer Infektion ein, indem sie versuchen, den Verbrauch von Tampons und Co möglichst gering zu enthalten und diese dadurch seltener wechseln.

Extrem spannende weitere Einblicke gibt es in dem in 2022 veröffentlichten Menstruationsbericht von Plan International: https://www.plan.de/menstruation-im-fokus.html 

13. Während der Periode kann ich nicht schwanger werden!

Jein. Wenn du einen Zyklus hast, der sich um den Modellzyklus von 26 Tagen herum bewegt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass du während der Menstruationsblutung schwanger wirst. Der Zeitpunkt der Menstruation ist dann weit genug weg vom Zeitpunkt des Eisprungs. Umso kürzer aber dein Zyklus ist und umso fortgeschrittener dein Zyklustag, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Spermien lange genug in der Gebärmutter überleben, um die gesprungene Eizelle doch noch zu befruchten. Die Spermien haben eine Lebensdauer von bis zu 5 Tagen. Du solltest also sehr gut über deinen Zyklus bescheid wissen, wenn du das Wagnis “kondomfreier Sex” während der Menstruation eingehen möchtest. 



Quellen:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26181612/ Freundinnen
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33571128/ Mond
DOI: 10.1002/14651858.CD004142.pub4 Sport
https://www.plan.de/menstruation-im-fokus.html  Menstruation around the globe

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