Der Guide zum Pille absetzen - was kann ich tun & muss ich beachten?

- Autorin Melanie Dell’Oro

Du nimmst die Pille, bist jedoch nicht glücklich damit? Du hast aber von unangenehmen Nebenwirkungen gehört, wenn du die Pille absetzt? Ja, da können wir leider keine Entwarnung geben. Dennoch gibt es viele gute Gründe, nicht auf Dauer auf die Pille als Verhütungsmittel zu setzen, zeigt doch die Erfahrung vieler Frauen*, dass die Einnahme der Pille mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden ist. Damit du nicht vom Regen in die Traufe kommst, haben wir ein paar Tipps für dich zusammengestellt, wie du sicherer die Pille absetzen kannst. Spoiler, es kommen unsere Lieblingsthemen vor: Ernährung, Stress, Bewegung.

Möchtest du vorab noch mal nachlesen, warum die Verwendung der Pille kritisch beleuchtet werden sollte? Alle Infos findest du hier.

Endlich pillenfrei und nun das: Das Post-Pill-Syndrom

Die Pille tut dir nicht gut, du setzt sie ab und plötzlich wird alles noch viel schlimmer? Herzliches Beileid, das Post-Pill-Syndrom (PPS) schlägt zu. Unter PPS versteht man Symptome, die 4-5 Monate nach Absetzen der Pille auftreten. Hauptsächlich sind das Probleme, die durch die Pille maskiert wurden (z.B. Akne, PMS) und zusätzlich solche, die durch den Einfluss der Pille auf den Körper entstehen (z.B. Haarausfall, ausbleibende Periode, Gewichtszunahme, Nebennierenschwäche u.a.). Diese Effekte des Pille-Absetzens lassen sich nicht komplett verhindern, können aber in ihrem Schweregrad und ihrer Dauer durchaus gemildert werden. Mit ein paar Maßnahmen, die es in sich haben und deine Gesundheit auf allen Ebenen fördern, kannst du deinen Körper bestens unterstützen, den Hormonhaushalt wieder in den Griff zu bekommen. Das schöne: Es gibt viel mehr “Das darf ich”, statt “Das sollte ich nicht”.

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Was kannst du tun, um deinen Körper beim Absetzen der Pille zu unterstützen:

Frische, leckere, gesunde pflanzliche Ernährung 

Eine nährstoffreiche, pflanzliche Ernährung bietet auf vielen Ebenen gesundheitliche Vorteile. Beim Absetzen der Pille unterstützt du mit solch einer Ernährung u.a. die Leber. Diese ist dafür verantwortlich, überschüssige Hormone ab- und benötigte Hormone aufzubauen. Außerdem speichert sie verschiedene Nährstoffe wie z.B. Vitamine und Mineralstoffe. Während der Einnahme der Pille ist die Leber unter Druck: die synthetischen Hormone, die in höheren Mengen eingenommen werden, müssen abgebaut werden. Schafft sie das nicht ausreichend, kommt es nach Absetzen der Pille z.B. zu Gewichtszunahme durch Östrogenüberschuss oder zu den Symptomen des Testosteronüberschusses. Was die Leber unterstützt in ihrer Funktion, sind Inulinreiche Lebensmittel (wie z.B. Artischocken oder Schwarzwurzel), Kreuzblütler wie Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl und ungesättigte Fettsäuren wie sie in pflanzlichen Ölen und Nüssen vorkommen. 

Was mit einer ausgewogenen, pflanzlichen Ernährung außerdem einhergeht, ist die hohe Aufnahme von Ballaststoffen. Und darüber freuen sich dein Darm und deine Nebennieren ganz besonders. Die Einnahme der Pille belastet die gesunden Bakterien in deinem Darm, dadurch kann es u.a. zu Entzündungsreaktionen kommen, die die Darmfunktion beeinträchtigen. Die gesunden Bakterien profitieren aber ganz besonders von den in Vollkorngetreide, Gemüse, Hülsenfrüchten und Saaten in hohen Mengen enthalten Ballaststoffen. Auch die Nebenniere freut sich über einen hohen Verzehr dieser pflanzlichen Nahrungsmittel. Denn umso mehr Ballaststoffe und langkettige Kohlenhydraten deine Ernährung enthält, desto weniger Stress hat die Nebenniere mit der Bildung von Cortisol (alles zu den Zusammenhängen kannst du hier nachlesen). 

Die Darmflora kannst du außerdem unterstützen, indem du täglich kleine Mengen an probiotischen Lebensmitteln isst. Das sind so Leckereien wie Sauerkraut, Kimchi, Joghurt oder Kombucha. Könnte schlimmer sein, oder? 

Nüsse und Saaten sind tolle Lebensmittel, weil sie zum einen zinkreich sind, was deinem Darm gefällt und zum anderen sind sie neben Hülsenfrüchten hervorragende Lieferanten für pflanzliches Eiweiß, was deine Leber und deine Nebennieren dir zu danken wissen werden.

Und zu guter letzt sind pflanzliche Lebensmittel sehr nährstoffdicht und können dich so unterstützen, deinen Vitamin- und Mineralstoffbedarf, der während der Pilleneinnahme stark erhöht war, wieder zu decken. Und das ist u.a. wichtig für die Funktion der Schilddrüse, die durch die Pilleneinnahme zu einer Unterfunktion neigen kann. Besonders Selen (in Nüssen, Vollkorn, Hülsenfrüchten) und Jod (Algen) sind für die Schilddrüse wichtig.

Heilpflanzen 

Heilpflanzen wie Mariendistel oder Löwenzahn geben der Leber einen extra Boost. Um die Nebennieren vor übermäßigem Stress zu bewahren, kannst du deine körpereigene Stressresistenz mit den sogenannten Adaptogenen, also Pflanzen, die deinen Körper unterstützen, mit Stress umzugehen, unterstützen. Zu den am besten erforschten Adaptogenen gehören insbesondere Ashwagandha, Tulsi und Sibirischer Ginseng.

Sport, Bewegung, körperliche Aktivität

Alles was dir Spaß macht und dir gut tut, darfst du hier nutzen, um deinen Körper zu unterstützen. Ob Tanzen, Spazieren, Schwimmen, Seilspringen oder Skifahren, ausreichend Bewegung, idealerweise noch an der frischen Luft, wirkt sich positiv auf die unterschiedlichen Stoffwechselvorgänge aus, regt den Kreislauf an und hilft dir den Teufelskreis Stress, der deine Nebennieren zusätzlich belastet, zu unterbrechen.

Ausreichend Schlaf, Entspannung und Ruhemomente

Deine Nebennieren bilden neben dem Stresshormon Cortisol auch Vorläufer für die Geschlechtshormone. Dauerstress führt zu einer Ermüdung - deiner und die deiner Nebennieren. Die Folge: Zyklusstörungen und die Symptome des PMS. So wie du selbst, können sich deine Nebennieren jedoch gut erholen: durch einen ausgeglichenen Tag- und Nacht-Rhythmus, erholsamen Nachtschlaf, Entspannungsmomente wie z.B. Meditation, leichte Gymnastik, Achtsamkeitsübungen, durch ein gutes Stressmanagement und natürlich auch mal durch eine wohltuende Massage. Das macht man doch gern mal für sich und die Nebennieren, oder?

Alkohol, Zucker und tierische Lebensmittel meiden

Nur ein klitzekleines Don’t - das lässt sich aushalten, oder? Alkohol, tierische Nährstoffe und Zucker belasten deine Leber, deinen Darm, deine Nebennieren, deine Schilddrüse auf verschiedenste Art - sie zu meiden ist also nachhaltig sinnvoll.  

Kann ich die Pille ohne Arzt/ohne Ärztin absetzen?

Solltest du dir eine Begleitung beim Absetzen der Pille wünschen, sprich mit deiner/deinem Frauenärztin/Frauenarzt darüber. Prinzipiell ist es sinnvoll, das Absetzen der Pille ärztlich begleiten zu lassen. Dein Arzt/deine Ärztin kann dir sagen, an welchem Zeitpunkt des Zyklus du die Pilleneinnahme am besten unterbrichst. Er*sie kann deine Symptome besser überschauen und u.U. den Zusammenhang zu etwas schwerwiegenderen Nebenwirkungen herstellen. Östrogendominanz, Östrogenmangel und auch Testosteronüberschuss können mittels einer Blutuntersuchung oder noch besser mit einem Hormonspeicheltest diagnostiziert und dann gezielt behandelt werden. Hier kann dir dein Arzt/deine Ärztin Möglichkeiten vorschlagen. 


Zusätzlich haben wir dir zu den unterschiedlichen Nebenwirkungen in früheren Artikel kleine Ratgeber zusammengestellt. Schau dich gern um und lies nach, was du tun kannst, wenn du unter Östrogenmangel leidest, einen Östrogenüberschuss hast oder zu viel Testosteron in deinem Körper unterwegs ist.

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