Die Pille als Nährstoffräuberin 

- Autorin: Melanie Dell’Oro 

Die Pille beeinflusst den Stoffwechsel der Mikronährstoffe - und zwar auf vielfältige Weise. Sie erhöht den Umsatz und Verbrauch von Vitaminen und Mineralstoffen, hindert ihre Aufnahme, sabotiert deren Stoffwechsel oder ihre Verfügbarkeit. Vor allem eh schon als kritisch betrachtete Vitamine und Mineralstoffe sind betroffen. 

De Pille erhöht den Nährstoffbedarf

Erhöhter Mikronährstoffbedarf

Für Folsäure, Magnesium, Selen, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B12, Vitamin B6, Vitamin E, Vitamin C und Zink ist in vielen Studien nachgewiesen worden, dass die Blutlevel bei Pillen-Anwender*innen deutlich niedriger liegen als bei Nicht-Anwender*innen. Leider wird in den wenigsten Präparaten darauf hingewiesen, dass ein erhöhter Nährstoffbedarf vorliegt. Denn der Mangel an den genannten Vitaminen und Mineralstoffen kann viele Folgen haben, ganz besonders solche, die gern als PMS oder “Frauenleiden” abgetan werden.

Welche Nährstoffe sind durch die Pilleneinnahme verringert?

Folsäure: 

Folsäure ist ganz besonders wichtig für die gesunde Entwicklung eines ungeborenen Kindes. Aus diesem Grund wird bei Kinderwunsch und Schwangerschaft die Einnahme hochdosierter Folsäure empfohlen. Was viele aber nicht wissen: nach Absetzen der Pille ist der Folsäurespiegel viel niedriger als normal. Wird man also kurz nach Absetzen der Pille schwanger und supplementiert nicht rechtzeitig, kann dies zu Entwicklungsstörungen des Kindes führen.

Magnesium: 

Magnesium ist ein wichtiger Co-Faktor für viele Enzyme. Ein Mangel spielt eine große Rolle bei der Entstehung von Osteoporose, bei Migräne und auch beim Thromboserisiko.

Selen: 

Ist ein wichtiger Co-Faktor der Schilddrüsenhormone und spielt bei der Brustkrebsprävention eine Rolle.

Vitamin B2: 

Ein Mangel könnte eine große Rolle bei Migräne und Kopfschmerzen während  der Pilleneinnahme spielen.

Vitamin B6: 

Ein Mangel an Vitamin B6 hat verschiedene Einflüsse auf den Tryptophan-Stoffwechsel mit der Folge eines niedrigen Serotonin-Spiegels und erhöhtem Depressionsrisiko, Einfluss auf die Glukosetoleranz und dem erhöhtem Thromboserisiko. Laut Studien hätten Anwender*innen der Pille einen über 10-fach erhöhten Bedarf an Vitamin B6 als Nicht-Anwender*innen.

Vitamin B12: 

Vitamin B12 ist besonders bei einer rein pflanzlichen Ernährung ein kritisches Vitamin. Gut wäre es daher gerade für Veganer*innen, die die Pille einnehmen, zu wissen, dass die Vit B12-Level bei Anwender*innen um 33% niedriger liegen als bei Nicht-Anwenderinnen.. Vitamin B12 ist essentiell für Zellwachstum und DNA-Bildung und besonders wichtig für ein gesundes Nervensystem.

Vitamin C: 

Ein Mangel an Vitamin C macht sich besonders an der Haut, den Haaren, Zähnen und Nägeln bemerkbar. Außerdem ist Vitamin C ein starkes Antioxidans, das freie Radikale abfängt. Steht nicht genug Vitamin C zur Verfügung, können die freien Radikale Schäden im Gewebe und den Blutgefäßen anrichten.

Vitamin E: 

Auch Vitamin E gehört zu den Antioxidantien. Ein Mangel hat außerdem Auswirkungen auf das Thromboserisiko und auf die Entstehung chronischer Entzündungen.

Zink: 

Zink ist an einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen beteiligt. Ein Zink-Mangel wirkt sich u.a. auf Haare, Nägel und Haut aus.

Leider steht davon nichts in der Packungbeilge der Pille geschrieben. Wir haben euch gefragt:

Erhöhter Nährstoffbedarf durch Pille Packungsbeilage

Welche Nebenwirkungen der Pille werden u.a. durch einen Nährstoffmangel verursacht?

Thromboserisiko

Eine der bekanntesten Nebenwirkungen der Pillen-Einnahme ist wohl das erhöhte Thromboserisiko. Dieses entsteht, da durch die Einnahme verschiedene Faktoren im Serum ansteigen, die die Gerinnselbildung im Blut begünstigen. Faktoren, die diesen Prozesse normalerweise entgegensteuern, nehmen eher ab. Gleichzeitig sind die Blutspiegel von Vitaminen, die unmittelbar mit dem Entstehen von Thrombosen verbunden sind, verringert. So wirken Vitamin B12, Vitamin B6 und Folsäure senkend auf den Homocysteinspiegel. Homocystein ist eine Aminosäure, die in erhöhter Konzentration im Blutkreislauf zur Schädigung der Zellwände und somit zu einer Erhöhung der Gerinnselbildung beiträgt. Mangelt es an Vitaminen, die Homocystein reduzieren, erhöht sich also das Thromboserisiko. Vitamin E reduziert die Aktivität der Thrombozyten. Thrombozyten sind die Blutkörperchen, die an der Beteiligung der Blutgerinnung maßgeblich beteiligt sind. Wird deren Aktivität nicht reguliert, kommt es zur Thrombosebildung. 

Depressionen

Wie oben beschrieben, kann die Einnahme der Pille zu einem Mangel an Vitamin B6 führen. Dieses Vitamin ist verantwortlich für die Umwandlung der Aminosäure Tryptophan in Serotonin. Serotonin ist unser sogenanntes “Gute Laune”-Hormon, kann also die Stimmung heben, Ängste verringern etc. Ein Mangel an Serotonin steht in Verdacht, direkt an der Entstehung von Depressionen beteiligt zu sein. Ähnlichen Einfluss auf das Nervensystem hat der Mangel an Magnesium, Zink, Selen und auch Vitamin B12. Hinzu kommt der Einfluss der weiteren Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, Cellulite, Wassereinlagerungen oder mangelnde Libido. Diese Nebenwirkungen können einen starken Effekt auf die mentale Verfassung haben, da sie das Selbstbewusstsein oder die Körperakzeptanz schmälern können.

Migräne und Kopfschmerzen

Magnesium ist einer der Mineralstoffe, der den Nährstofftransport zwischen den Blutgefäßen und dem Gewebe im Gehirn steuert. Ein Mangel an Magnesium kann zu Unterversorgungen des Gewebes und so zu - vereinfacht gesagt - Reizungen führen, die sich als Migräne oder Kopfschmerzen äußern. Riboflavin (Vitamin B2) hat einen wichtigen Einfluss auf die Funktion der Mitochondrien (den Energie-Kraftwerken der Zellen) und wirkt antientzündlich und antioxidativ. Da Migräne mit Entzündungen im Nervensystem und einer Störung der Zellfunktion im Gehirn einhergeht, scheint Riboflavin einen direkten Einfluss auf die Entstehung von Migräne zu haben. Die genauen Zusammenhänge sind noch nicht geklärt, aber es wird beobachtet, dass sich die Migräne durch Supplementation von Riboflavin  bessert.

Folgen nach dem Absetzen der Pille

Viele der Nährstoffmängel werden vor allem nach dem Absetzen der Pille bemerkbar. Probleme mit Haut und Haaren, die durch den Androgen-Rebound, der oft mit dem Absetzen einhergeht, auftreten, sind sowieso schon ein gefürchteter Effekt. Ungünstigerweise werden diese noch verstärkt durch die geringeren Spiegel an Zink, Selen und antioxidativ wirkenden Vitaminen wie Vitamin C oder Vitamin E.

Gefährlich für ungeborene Kinder wird es, wenn eine Schwangerschaft kurz nach Absetzen der Pille eintritt und die Folsäure-Spiegel noch nicht wieder normalisiert sind. Dies dauert etwa 3 Monate.

Viele andere Nebeneffekte der Pilleneinahme hängen irgendwo mit dem potentiellen Nährstoffmangel zusammen: Magnesium und Osteoporose, Selen mit Brustkrebs und Schilddrüse, antioxidative Vitamine und Mineralstoffe mit chronischen Entzündungen oder die Schädigungen der Darmzellen. Oftmals gibt es dazu noch keine erklärenden oder beweisenden Studien, Beobachtungen und Erkenntnisse aus der Ernährungswissenschaft und Präventionsforschung  legen die Erwägung aber nahe. 

Erhöhter Nährstoffbedarf Pille Tipps Nahrungsergänzung

Soll ich ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, wenn ich die Pille nehme?

Sicher ist aber, dass viele Studien eine Nährstoffsupplementation bei Pilleneinnahme empfehlen - und das schon seit den 70er Jahren. Kann der Nährstoffbedarf durch eine ausgewogene, pflanzenbasierte Ernährung nicht gedeckt werden, vor allem wenn noch andere Vitamin- und Nährstoffräuber wie Alkohol, Nikotin, Leistungssport, Stress etc. dazukommen, sollte der Verzehr von Nahrungsergänzungsmitteln also durchaus mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt besprochen werden.

Schau dir doch mal RESET an.

Weitere Nebenwirkungen der Pille - es gibt echt viele - findest du in einem früheren, nämlich unserem allerallerersten Artikel von uns. That’s how we started!

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachten Sie, dass Kommentare vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen